Papua-Neuguinea

Seit 1992 besteht eine Dekanatspartnerschaft mit dem Lutheran Church College Banz, Papua-Neuguinea.

Informationen zur Arbeit des College:

Handbook 2nd edition

Re-Development Banz Concept 2015

Partnerschaftszeitung 2015

Wenn Sie Banz unterstützen möchten:

Missionskonto DE69790500000042083998 Sparkasse Mainfranken WÜ
Stichwort: Partnerschaftsarbeit College Banz

Wenn Sie eine Spendenbescheinigung wünschen, geben Sie bitte Name und Adresse im Buchungstext ein.

Informationen erhalten Sie bei:

Dekanatsmissionspfarrerin Raffaela Meiser, Telefon: 09323-3466, pfarramt.roedelsee@elkb.de 

 

Dekanatsmissionsbeauftragter Johannes Hamberger · Obernbreit, Telefon:(09332-5357, joh.hamberger@gmx.de

 

 

2019

In unserem Partner-College in Banz in PapuaNeuguinea ist aktuell so manches in Bewegung. Da neue Compliance-Regeln für finanzielle Unterstützung von unserer Seite gelten, wird es für unsere Partner zunehmend schwieriger, nachzuweisen, wofür das gespendete Geld wirklich hergenommen wurde. Immer wieder mussten Mission Eine Welt in Neuendettelsau sowie die Landeskirche in PNG Belege für die Verwendung von Geldern aus unserem Dekanat einfordern, um den neuen Beleg-Standards gerecht zu werden. Unstimmigkeiten im Lehrerkollegium gegenüber dem Principal im College Banz waren die Folge.

Im letzten Jahr musste das College aufgrund mancher unglücklich verwendeter Gelder für das letzte Trimester im Schuljahr schließen, weil der Lehrbetrieb mit Gehalt, Schulmaterialien usw. nicht aufrecht erhalten werden konnte. Der bisherige Principal Peter Saki wurde abgesetzt. Die Landeskirche in PNG hat daraufhin kundgetan, dass sie erst beraten müsse, ob es noch einmal einen neuen College-Leiter geben soll, in der Hoffnung, dass dieser die Gelder der Landeskirche und unsere Spenden besser zu verwalten weiß und auch die Nachweise für die Verwendung erbringt. So stand das Fortbestehen des College Banz bis zuletzt auf der Kippe. 

Die Landeskirche in PNG hat sich aber doch noch einmal für ein neues Besetzungsverfahren für die Leitung des College ausgesprochen. Inzwischen wurde ein neuer Principal berufen, dessen Name uns aber noch unbekannt ist. Da im College Banz das Schuljahr schon Anfang Februar beginnt, gibt es in diesem Jahr keine „Erstsemester“, weil wegen der unbesetzten Leitungsstelle die Anmeldeformulare für das College nicht verschickt wurden. So bleibt unsere Partnerschaft auch im Jahr 2020 sehr labil, da in diesem Zustand auch noch kein neues Partnerschaftskommitee gebildet werden konnte. Mit der Erneuerung des Partnerschaftsvertrages muss sich das Dekanat Kitzingen noch bis mindestens Ende des Jahres gedulden. Auch in der dortigen Landeskirche gab es große Bewegungen: Im Januar 2020 standen die Wahlen für den Bischof, seine Stellvertreter und den Generalsekretär an. Die Wahl war sehr gut geplant und organisiert. Alle bisherigen Amtsträger sind wiedergewählt. Von 503 wahlberechtigten Deligierten stimmten 349 für Bischof Dr. Jack Urame (Rev. Elimas Bakun kam auf 148 Stimmen), sein Stellvertreter Rev. Lucas Kedabing bekam 390 Stimmen und der Generalsekretär Mr. Bernard Kaisom wurde mit 381 Stimmen wiedergewählt.

Unser Dekanatsmissionsbeauftragter Johannes Hamberger und Dekanatsmissionspfarrer (in 2019 noch Dekan Hanspeter Kern) haben 2019 gemeinsam mit der Partnerschaftsgruppe beschlossen, künftige Geldspenden des Dekanats zur Förderung von Bildung und Fortbildungsmaßnahmen zu verwenden. So kann mit den Compliance-Regeln in guter Form umgegangen werden.

Johannes Hamberger, Dekanatsmissionsbeauftrager Raffaela Meiser, Dekanatsmissionspfarrerin

2018

 

Eine Glocke für Banz

Eine Glocke für sein Dorf wünschte sich Mek, einer der Partnerschaftsfreunde, die uns im Sommer 2017 besucht haben, sehnlichst. Er arbeitet mit großem Einsatz in der Kirchengemeinde seines Heimatdorfes mit. Eine Glocke würde die Gläubigen künftig zusammenrufen und zum Gebet einladen.

Nun zeigt sich, es ist gar nicht so einfach, hier ein passendes Stück zu finden. Aber nun wird in den nächsten Tagen eine Bronzeglocke auf Reisen gehen und dann hoffentlich heil in Banz/PNG ankommen.

Wir wünschen gute Reise und dann einen segensreichen Dienst

 

2015

Im Herbst 2015 kam das College in Banz aufgrund einer großen Trockenheit in Nöte und erwägte, da keine Nahrungsmittel mehr vorhanden waren, das College zu schließen und das Semester abzubrechen.

Das Dekanat Kitzingen unterstützte daraufhin das College in Banz mit 5000.- EURO, so konnten Nahrungsmittel zugekauft und der Unterrichtsbetrieb planmäßig fortgeführt werden.

Hier der Dankesbrief des Pricipals Josef Benson:

 

Pfarrerin Eva Sonny-Lagies (sie kommt aus Mecklenburg und ist am College tätig) schreibt ergänzend:

Uns geht es deutlich besser, Eure Unterstützung war der Rettungsanker! Wirklich! Sechs Monate hatten wir so gut wie keinen Regen, am College gab es kein Wasser mehr. Nur wir als Familie hatten dank zweier großer Tanks noch Wasser,

über dessen Verbrauch wir aber täglich beraten haben.

Seit Ende Oktober hat sich die Lage deutlich entspannt, seit drei bis vier Wochen haben wir sogar bald täglich Regen, es ist eine Freude und wir sind soooo dankbar dafür.   Licht nach langer Dunkelheit! ...

 

Jack Urame, Direktor des Melanesian Institut in Goroka/Papua-Neuguinea. © Uli Ertle/Missio
Über Kirche und Ökumene in Papua-Neuguinea sprachen Referenten und Teilnehmer beim Studienkurs "Blackberry und Betelnuss". © Uli Ertle/Missio

„Blackberry und Betelnuss“

Gäste aus Papua-Neuguinea diskutieren über Kirchen und Ökumene im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne

Ein erstmals vom Internationalen Katholischen Missionswerk missio, Mission EineWelt, dem Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Missio der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und der Pazifik-Informationsstelle organisierte ökumenische Studientag „Blackberry und Betelnuss“ stand ganz im Zeichen der Ökumene. Die von missio anlässlich des Weltmissionssonntages eingeladenen katholischen Gäste trafen auf Mitarbeiter der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Papua-Neuguinea, hinzu gesellten sich in Deutschland lebende Neuguineer, Mitglieder von Partnerschaftsgruppen aus ganz Bayern und Eine-Welt-Engagierte beider Konfessionen.

 

Die Vorträge der Referentinnen und Referenten gaben dabei Einblicke in die Geschichte und Gegenwart des seit 1975 unabhängigen Staates Papua-Neuguinea. So erläuterte Bischof Rochus Josef Tatamai aus der Diözese Bereina westlich der Hauptstadt Port Moresby die Anfänge der katholischen Missionsarbeit in „seiner“ Diözese. Mit den Missionaren seien das Schul- und Gesundheitswesen in die abgelegene Bergregion gekommen. Noch heute arbeiteten Angehörige des katholischen Ordens „Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu“ (MSC) als Pastoren, Sozialarbeiter, Krankenschwestern und Hebammen Dienst in dem infrastrukturell nicht erschlossenen Gebiet. Bischof Tatamai betonte die traditionelle Bedeutung der Familie in Papua-Neuguinea, das Eingebundensein des Individuums in die Großfamilie und die gegenseitige Unterstützung. Wie wichtig Familienverbände und gegenseitige Solidarität auch über Clangrenzen hinweg seien, hätten die frühen Missionare erst lernen müssen. Heute sei es ganz selbstverständlich, dass er und seine KollegInnen sich zu Fuß zu ihren weit verstreut lebenden Gemeindemitgliedern aufmachten, um in ihren Familien Zeit zu verbringen und voneinander zu lernen. Begleitet wird Bischof Tatamai übrigens bei diesen Buschwanderungen stets von einem Aufnahmegerät. Die unterwegs aufgenommenen Predigten und Pastoralgespräche schneidet der Bischof zu Hause in seinem Büro zusammen und sendet sie täglich über seinen eigenen Radiosender bis in die entlegenen Dörfer seiner Diözese. So hält der Bischof auch ohne persönliche Präsenz täglich Kontakt zu seiner Gemeinde und zeigt Offenheit und Gesprächsbereitschaft für die Sorgen und Nöte seiner Gemeindemitglieder.

Wie wichtig das persönliche Gespräch ist, unterstrich auch Priscilla Winfrey in ihrem Beitrag. Die 32-jährige studierte Journalistin leitet die Abteilung für Publikationen am ökumenischen „Melanesian Institute“ in Goroka in der Hochlandregion von Papua-Neuguinea. Die junge, im Ausland ausgebildete Katholikin, beschrieb eindrucksvoll ihre Biographie als eine von vier Schwestern einer ökumenischen Familie, der es gelang, trotz der von Männern dominierten Gesellschaft eine solide Ausbildung zu absolvieren und in der akademischen Welt Fuß zu fassen. Leider, so Winfrey, sei das Bildungsniveau wegen des Mangels an Schulpflicht sehr niedrig. Vor allem die jüngeren Menschen könnten heute keinen grammatikalische korrekten Satz mehr formulieren, da sie nur noch kurze Nachrichten über das allseits verfügbare Mobiltelefon verschickten und nicht mehr gelernt hätten, außerhalb dieser Kurzform zu kommunizieren.

Dem entgegenwirken möchte Liz Konga, die Direktorin des ökumenischen Verlages „Word Publishing“ in Port Moresby. Konga ist Chefredakteurin und Herausgeberin der einzigen Wochenzeitung in der Lingua Franca von Papua-Neuguinea, dem „Tok Pisin“. Für den „Wantok“ lässt sie nur die an Universitäten ausgebildeten Redakteure und Redakteurinnen schreiben, um die Qualität der Artikel aus den Bereichen Wirtschaft, regionale Politik, Sport, Gesundheit, Bildung und Frauen zu wahren. Konga versteht sich und ihr Team durchaus als „Meinungsmacher“, denn gerade die kritischen Kolumnen und Kommentare im „Wantok“ sorgen für Gesprächsstoff. Konga ist stolz auf die wöchentlich 28 bis 32 Seiten der Zeitung, die in einer Auflage von 10.000 Exemplaren landesweit erscheint und auch Abonnenten im Ausland hat. „Wir machen keine Sensationspresse“, so Konga, „sondern berichten sachlich und objektiv, auch über Missstände in unserem Land. Kritik fürchte ich nicht“, so die couragierte Direktorin, die bereits seit 15 Jahren die Geschicke von „Word Publishing“ leistet.

Auf ein zweites ökumenisches Erfolgsprojekt ging der evangelisch-lutherische Pfarrer Jack Urame ein. Er ist Direktor des „Melanesian Institutes“, einer Forschungsstätte im Hochland. Hier arbeiten Wissenschaftler verschiedener Konfessionen zu Zeitthemen, wie etwa Zauberei oder HIV/Aids. Das in den späten 1960er Jahren gegründete Institut soll vor allem den ökumenischen Dialog fördern, ein schwieriges Unterfangen in einem Land, in dem sich zu den vier Hauptkirchen noch über 250 kirchliche Splittergruppen aus der charismatischen und pfingstlerischen Bewegung gesellen. Ähnlich wie Bischof Tatamai betonte Urame wie wichtig es sei, im Gespräch zu bleiben, über alle Konfessionen und kulturellen Hintergründe hinweg. Mit einer erneuten Wertschätzung des Evangeliums und der biblischen Werte könne dies gelingen, so Urame, der mit seiner Familie von 2001 bis 2005 als Austauschpfarrer in Auhausen (Dekanat Oettingen) lebte.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion stimmten die Gäste aus Papua-Neuguinea mit dem Fazit von Bischof Tatamai überein: Jeder und jede sei zunächst einmal ein menschliches Wesen, dann der Bürger eines bestimmten Staates, aber vor allem ein Christ. Diese Gemeinschaft aller Gläubigen, das „one in Christ“ gelte es bei aller Unterschiedlichkeit der Lebens- und Arbeitswelten zu bedenken.

Julia Ratzmann

eingestellt am 29. Oktober 2012

Hier ein ausführliches Interview mit Nancy Philip, Pfarrfrau unseres Austauschpfarreres in Kitzingen:

Elfriede Hauenstein

Vom Traum zur Wirklichkeit: Nancy Philip, geb. Mallow

Erste Eindrücke in einer fremden Welt

Sehr müde und irgendwie orientierungslos landeten ich und meine Familie am 7. Juli 2009 in Frankfurt. Es war bereits heller Tag. Leider verhüllte dichter Nebel die Sicht, so dass ich keine Landschaft erkennen konnte. Schade, dachte ich! Ich bin so neugierig auf Deutschland. Welch eine gute Idee, dass wir von einem Mitarbeiter von Mission Eine Welt vom Flughafen abgeholt wurden. Er stand am Ausgang und winkte uns zu, als wir schwerbepackt mit Taschen und Koffern in eine für uns neue Welt schritten. Immerhin konnte ich mein erstes deutsches Wort „Danke" sagen. In der Jabemsprache heißt nämlich Danke „dangke".

Kindheit im Dorf

Mein Heimatdorf liegt in der Nähe von Hopoi/Deinzerhill. Deinzerhill war mit eine der ersten Missionsstationen, die 1911 gegründet wurden. Heute existiert sie nicht mehr. Dort verbrachte ich meine Kindheit. Ich wurde als Jüngste von sieben Geschwistern in eine große Familie geboren. Acht Jahre bin ich in unserem Dorf zur Schule gegangen. Danach musste ich zuhause meine Familie unterstützen. Zu tun gab es viel: bei der Gartenarbeit helfen, Wasser holen am Fluss, Holz schlagen für das Feuer, Waschen und Kochen. In Papua-Neuguinea sind dies alles Aufgaben, die Frauen tun. Oft redete ich eindringlich mit meinen Eltern, dass ich gerne einen Beruf lernen würde, z. B. Lehrerin für eine Grundschule oder Krankenschwester. Ja, ich lag ihnen förmlich in den Ohren mit diesem Anliegen. Sie hörten sich meine Wünsche geduldig an, aber ändern konnten sie nichts. Für diese Ausbildung fehlte ihnen schlichtweg das nötige Geld. Wie gut, dass es den Kindergottesdienst gab und später ein christliches Jugendprogramm, das speziell für Dorfgemeinden erarbeitet wurde. Diese Angebote weckten mein Interesse an Neuem und füllten meine freie Zeit aus. Eine reizvolle Aufgabe fand ich danach als Schriftführerin, zu der mich eine Frauengruppe in unserem Dorf gewählt hatte.

Hochzeit

Meine Liebesgeschichte begann in Lae im Hause meines Onkels. Um einmal Stadtluft zu schnuppern, fuhr ich mit dem Schiff dorthin. Als junge Frau sehnte ich mich nach Abwechslung und Abenteuer von dem eintönigen Dorfleben. Obwohl Lae keine Millionenstadt ist, verläuft das Leben dort ganz anders, als ich es bisher gewohnt war. Damals arbeitete Navi Philip als Gemeindepfarrer in dem Stadtteil, in dem mein Onkel wohnte. Unsere beiden Heimatdörfer liegen sehr nahe beieinander, daher wussten wir voneinander. Außerdem sprechen wir dieselbe Sprache, nämlich Jabim. 2006 feierten wir schließlich Hochzeit, zuerst nach traditioneller Art unseres Dorfes, danach kirchlich. Zuletzt wohnten wir in der Gemeinde Obersiga in Fischhafen. Dort war mein Mann Gemeindepfarrer.

Vom Traum zur Wirklichkeit

Eines Tages, meiner Erinnerung nach ein Donnerstag, erreichte uns ein Brief von der Kirchenleitung in Lae. Mein Mann wurde angefragt, ob er sich eine Mitarbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern vorstellen könnte. Die Planungen in Neuendettelsau schauten so aus, dass er als Austauschpfarrer oder ökumenischer Mitarbeiter in einer Gemeinde mitarbeiten solle. Mein Mann war zuerst interessiert, dann doch erschrocken über diese Anfrage. Er konnte sich keine Vorstellung machen, wie der Arbeitsalltag eines Pfarrers in Deutschland ausschaut und welche Rolle er dabei einnehmen kann. Etwas ratlos reichte er mir den Brief und sagte: „Nancy, was meinst du dazu?" Als ich ihn las, überschlugen sich meine Gedanken und Gefühle. Sollte das Land meiner Träume plötzlich Wirklichkeit werden? Deutschland — mein Traumland! Unglaublich! Ich spürte eine unbandige Freude und Neugierde, die mich nicht mehr los ließ. Die deutsche Sprache zu erlernen, erschien mir plötzlich sehr spannend. Gleichzeitig beschlichen mich aber auch Ängste und Zweifel, ob dieses ganze Unternehmen überhaupt sinnvoll wäre.

Abschied von Zuhause

Meine Mutter erschrak zutiefst, als sie von unseren neuesten Planen hone. Sie fing an zu kiagen und weinen, denn irgendwie hatte sie die Befürchtung, dass sie mich als ihre jüngste Tochter hinterher nie mehr sehen wurde. So nach und nach überwiegen doch Freude and mächtiger Stolz über dieses für sie unvorstellbare Wagnis. Die Ängste meiner Mutter haben sich leider bewahrheitet. Sie verstarb plötzlich 2010. Das war ein großer Schmerz für mich, denn ich konnte zur Beerdigung nicht nach Hause fliegen. So blieb mir hier in Deutschland nur die Trauer. In einem festlichen Gottesdienst wurden mein Mann und ich in unserer Gemeinde ausgesandt. Viele gute Wünsche wurden uns mit auf den Weg gegeben. Ermutigt und gespannt nahmen wir daraufhin an der kleine Orientierung im Melanesischen Institut in Goroka teil. Dort erhielten wir viele wertvolle Tipps und Anregungen für die Ausreise. Schließlich sollte das unser erster Aufenthalt in Übersee, ja die erste Reise außerhalb Papua-Neuguineas sein. Zu diesem Zeitpunkt war mein Sohn Rodney sechs Jahre und Tochter Laura ein Jahr alt.

Deutschkurs

Sprache lernen in Bochum fiel mir nicht leicht. Schnell merkte ich, dass zwischen Begeisterung anfangs und mühevoller Kleinarbeit im Einzelnen viel Anstrengung notwendig war. Der Kurs dauerte ein ganzes Jahr. Von Montag bis Freitag versuchten uns die Lehrkrafte die deutsche Sprache beizubringen. Es wurde auch nur Deutsch gesprochen. Anfangs verstand ich überhaupt nichts. Nach einem halben Jahr ging es etwas besser. Bei all den Mühen und Anstrengungen beschlich mich oft das leise Gefühl, warum ich mir das angetan habe. Irnmerhin fühlten sich Rodney in der Schule und Laura bei der Tagesmutter sehr wohl. Außerdem fing die internationale Gemeinschaft, die wir im Wohnheim erlebten, so manches Heimweh auf. Schließlich saßen wir alle im gleichen Boot.

Ms Neuguinea-Pfarrfrau in Riidelsee

Nun bewohne ich mit meiner Familie ein großes Haus in Rödelsee, welches uns die Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt hat. Uns kommt es vor wie ein Palast, denn das Gebäude beherbergte den ehemaligen Kindergarten. Meine Kinder besuchen die Schule und den Kindergarten, in denen sie sich unwahrscheinlich wohl fühlen. Laura ist wütend und jammert, wenn der Kindergarten am Wochenende geschlossen hat. In unserem großen Garten habe ich bereits Beete angelegt und Gemüse angepflanzt. Bei schönem Wetter können Rodney und Laura draußen spielen und Fahrrad fahren. Ab und an besuchen mich Frauen aus der Gemeinde. Eine Frau habe ich zu einer Freundin gewonnen. Wir sitzen dann draußen oder im Haus und erzählen uns gegenseitig. Das ist gut so, denn dadurch bin ich gefordert, mein Sprachkenntnisse zu praktizieren. Auch helfen wir uns mit der Beaufsichtigung der Kinder, wenn die eine oder andere etwas vor hat. Ich würde mir wünschen, dass dies öfters geschieht. Leider sind die meisten Menschen in Deutschland sehr beschäftigt und haben wenig Zeit. Sehr befremdlich finde ich, wenn man für einen Besuch erst einen Termin ausmachen muss. Ich merke, der Terminkalender spielt hier eine große Rolle und das Leben „tickt" anders.

In PNG werde ich als Pfarrfrau von den Leuten genau beobachtet, wie ich mich verhalte, was ich sage und wie ich mich kleide. Das Tragen von Jeans z. B. wäre undenkbar. Ich muss einem bestimmten Bild von Frau und einer Rolle entsprechen, denn sie würden sonst hinter meinem Rücken über mich reden. Darüber brauche ich mir hier keine Gedanken machen.

Anfangs fürchtete ich mich, wenn ich unterwegs war oder beim Zusammentreffen mit „Weißen". Meistens war dabei die sprachliche Barriere der Angstauslöser. Wie oft verstand ich nicht, was manche Menschen mir sagen wollten. Auch der Verkehr und alles Moderne in den Großstädten flößte mir Angst ein.

Telefon und Handy

Beziehungen in Papua-Neuguinea spielen eine ganz große Rolle. Daher fällt es mir schwer, ohne meine Familie und Verwandte zu sein. Da mich meine Geschwister hier in Deutschland nicht besuchen können, telefoniere ich regelmäßig mit ihnen. Sie klingeln mit ihrem Handy aus dem „Busch" an und ich rufe sie zurück. Mit der Flatrate kann ich ziemlich lange telefonieren. Gerade bei Heimweh muss ich die Stimme meiner Schwester oder Tante hören. Ich weine dann ein wenig, aber dann ist es auch wieder gut.

Opa

In PNG ist man eigentlich nie allein. Verwandte oder Freunde sind immer greifbar und würden mich mit den Kindern und im Garten unterstützen. Erich, ein älterer Mann aus der Gemeinde in Rödelsee, besucht uns regelmäßig, fährt mit uns einkaufen, liest den Kindern vor und unterhält sich mit uns. Wir nennen ihn Opa, und das ist er auch im wahrsten Sinn des Wortes für uns. Für Rodney und Laura ist er als außerfamiliäre Bezugsperson sehr wichtig geworden.

Schule

Seit April besuche ich zweimal wöchentlich die Landwirtschaftsschule in Kitzingen. Sowohl in einem theoretischen als auch praktischen Block lerne ich viel Neues aus dem Bereich Hauswirtschaft. In der Großküche auf dem Schwanberg bekam ich bei einem praktischen Einsatz einen kleinen Einblick ins Kochen und Backen. Auch die Planung und der entsprechende Ablauf dazu ist mir klarer geworden. Eigentlich ging dadurch ein Wunsch, nämlich Wissen über Haushaltsführung, Kochen und Backen zu bekommen, bereits in Erfüllung.

Fahrrad

Meine neueste Errungenschaft ist ein Fahrrad. In Deutschland lernen Kinder bereits in jungen Jahren das Fahrrad fahren. In Papua-Neuguinea sind Fahrräder fast unbekannt und das Gelände eignet sich überhaupt nicht dazu. So schnell, wie mein Sohn Rodney es gelernt hat, konnte ich nicht mithalten. Es zeigten sich gewisse Tücken, die ich erst meistern musste. Mit viel Ausdauer und Ansporn meiner Familie schaffte ich diese Hürde. Jetzt freue ich mich über eine neu erreichte Mobilität, die ich bei Einkäufen und kleineren Ausflügen mit den Kindern nütze.

Poketbruklain - Leute mit wenig Geld in der Tasche

Die Kirche in Papua-Neuguinea kann ihren Pfarrern im Allgemeinen kein Gehalt bezahlen. Demnach müssen Pfarrersfrauen klug haushalten, ihre Gärten gut pflegen, um sich kleine Zusatzeinkünfte wie Gemüse auf dem Markt verkaufen, zu erschließen. Als Austauschpfarrer bekommt mein Mann wie alle Pfarrerinnen und Pfarrer ein regelmäßiges Gehalt. Von dem können wir gut leben und uns manches kaufen, was schön ist oder was die Kinder sich wünschen. Die ständigen Geldsorgen kann ich erst mal aus meinen Gedanken streichen.

Geben und Nehmen

Viele Missionare aus Neuendettelsau kamen in unser Land. In diesen 125 Jahren gaben die Missionarsfrauen uns Frauen in Papua-Neuguinea sehr hilfreiche und wichtige Impulse. Wir Frauen konnten Schulen besuchen und Ausbildungen absolvieren. Unser Selbstbewusstsein wurde gestärkt und entwickelte sich dahingehend, dass es heute in unserer Kirche eine starke Frauenarbeit gibt. Ich hoffe, ich kann von diesen „Schätzen” ein wenig zurückgeben. In der

Pidginsprache sagt man: „givim na kisim", d.h. Geben und Nehmen. In unserem Verständnis heißt das: Wer erhält und beschenkt wird, gibt bei nächster Gelegenheit zurück. Beweggründe sind dabei eine moralische Verpflichtung oder ein irmeres Bedürfnis, Freude und Wertschätzung weiterzugeben. In Rödelsee möchte ich deshalb meinen Glauben mit den Menschen teilen und davon erzählen.

Quellen:

Interviews Elfriede Hauenstein 2010 und 2011 Fotos: Privatbesitz